Während der Auseinanderetzung mit unserem Projekt haben wir uns immer wieder mit der Frage beschäftigt, wie wir Technologie anders betrachten und neu kennenlernen können. Für uns ist Technologie manchmal etwas Abstraktes und Unsichtbares. Wir wollen sie auf eine neue Weise sichtbar und erfahrbar machen ohne die Prozesse dahinter unsichtbar machen. Dabei interessiert uns besonders die Verbindung zwischen Technologie und Ökosystemen und die Frage, welche Rolle technische Systeme innerhalb größerer Zusammenhänge spielen.
Gleichzeitig möchten wir unseren eigenen Designprozess selbstkritisch hinterfragen. Wir beschäftigen uns mit der Frage, wie stark Gestaltung oft von einem menschenzentrierten Denken geprägt ist und welche anderen Perspektiven möglich werden, wenn wir Technologie nicht ausschließlich aus menschlicher Sicht betrachten. Ein wichtiger Bestandteil unseres Ansatzes ist dabei, Technologie transparenter zu machen. Durch die Auseinandersetzung mit Hardware und ihren Funktionsweisen möchten wir Wissen zugänglicher machen und ein tieferes Verständnis für die technischen Grundlagen schaffen.
Wir verstehen sowohl theoretische als auch experimentelle Forschung als ein Privileg, mit dem wir bewusst umgehen möchten. Gleichzeitig glauben wir daran, dass Ideen erst durch das Ausprobieren, Testen und Scheitern weiterentwickelt werden. Deshalb ist Experimentieren ein zentraler Bestandteil unseres Prozesses. Dabei sind für uns nicht nur Rückmeldungen von Expert*innen wertvoll, sondern auch Gespräche mit Menschen, die unsere Arbeit zunächst nicht unmittelbar verstehen. Gerade diese Perspektiven können neue Fragen aufwerfen und helfen, unsere eigenen Annahmen zu hinterfragen. Unser Ziel ist es, an etwas zu arbeiten, das es aus dem reinen Hochschul-Kontext hinaus schafft.
Auf unserer Suche nach Inspiration sind wir immer wieder auf Projekte und Initiativen gestoßen, die sich kritisch mit Technologie, Ressourcen und Gestaltung auseinandersetzen:
Auf Permacomputing sind wir dabei besonders häufig gestoßen. Die Seite sammelt Prinzipien, Ziele und Initiativen rund um die Praxis des Permacomputing und beschäftigt sich mit einem bewussteren Umgang mit digitalen Technologien. Sie hat uns dazu angeregt, unsere eigene Position zu hinterfragen: Können wir uns mit allen Prinzipien des Permacomputing identifizieren? Dürfen wir unser Projekt überhaupt in diesem Kontext verorten? Und welche eigenen Prinzipien entstehen aus unserer Auseinandersetzung mit Technologie? Besonders interessant finden wir den Ansatz, mit begrenzten Ressourcen kreativ umzugehen und bestehende Systeme neu zu denken.
Auch das Low-tech Magazine hat uns inspiriert. Das solarbetriebene Magazin beschäftigt sich mit Low-Tech-Ansätzen und verlinkt auf weitere Initiativen und Projekte, die alternative Wege im Umgang mit Technologie zeigen. Besonders spannend fanden wir die bewusste Gestaltung der Website: Die Bilder sind so gerastert, dass möglichst wenig Energie verbraucht wird. Dadurch wird die digitale Infrastruktur selbst sichtbar und Teil der Gestaltung. Diesen Art des Energiesparens wollten wir auch bei uns integrieren: Alle Bilder und Videos sind um 95% komprimiert und senken somit den Energieverbrauch der Website um ein vielfaches.
Ein weiteres inspirierendes Beispiel ist das Projekt Häckermäuse, ein Projekt von Kommilitoninnen, das uns durch die kritische Auseinandersetzung mit Code und Computing inspiriert hat. Es zeigt, dass digitale Technologien nicht nur verwendet, sondern auch untersucht, hinterfragt und neu interpretiert werden können.
Die Initiative Open Source Gardens beschäftigt sich mit Open-Source-Netzwerken und beschreibt Open Source Seeds als Samen, die frei genutzt, weitergegeben und für unterschiedliche Zwecke eingesetzt werden können. Sie fasst dies mit den Worten zusammen: „[...] seeds that everyone can use for any purpose" und verweist darauf, dass über ihre Plattform Informationen zum Bezug und zur Weitergabe dieser Samen bereitgestellt werden. Besonders passend finden wir dabei die verwendete Naturmetapher, da sie Wachstum, Austausch und gemeinschaftliche Weiterentwicklung verdeutlicht. Auch das Prinzip von Open Source als Gestaltungsansatz überzeugt uns, da Wissen, Ressourcen und Möglichkeiten nicht eingeschränkt, sondern geteilt und gemeinsam weiterentwickelt werden können.
Das Berlin Permacomputing Meet-Up schafft einen offenen Raum, in dem Menschen zusammenkommen, um über ressourcenschonende digitale Praktiken, die Lebensdauer von Hard- und Software sowie alternative Formen des Computings zu diskutieren. Die Initiative ist für uns inspirierend, weil sie zeigt, wie mit begrenzten Ressourcen kreativ und gemeinschaftlich umgegangen werden kann. Der Gedanke, Technologie nicht nur nach Effizienz und Fortschritt zu bewerten, sondern auch nach Langlebigkeit, Zugänglichkeit und gemeinschaftlichem Wissen, verbindet sich stark mit unserem eigenen Verständnis von Gestaltung.