Cyberfeminism

Definition Cyberfeminism
Meine Notes zu Cyberfeminism
Chronologie
Nicht-weißer Cyberfeminism
Linksammlung

Definition Cyberfeminism

Cyberfeminismus ist ein feministischer Ansatz, der die Beziehung zwischen Cyberspace, Internet und Technologie in den Vordergrund stellt. Der Begriff kann sich auf Philosophien, Methoden, künstlerische Praktiken oder Gemeinschaften beziehen. Der Begriff wurde Anfang der 1990er Jahre geprägt, um feministische Praxen zu beschreiben, die das Internet, den Cyberspace und neue Medientechnologien im Allgemeinen theoretisieren, kritisieren, erforschen und neu gestalten wollen.

Meine Notes zu Cyberfeminism

- Hinterfragen von codiertem Verhältnis von Geschlecht und Technik
- Ist aus Cyberfeminismus (Hoffnung, dass das Internet neue Möglichkeiten hervorbringen würde. Geschlechterdifferenzen aufheben..) entstanden
- Cyberfeministische Bewegungen lösten sich nach den 1990er Jahren langsam auf -> da die Techno-utopischen Visionen nicht zu erreichen waren
- Durch Hass im Netz entstand Post-Cyberfeminismus - erkannten Potential aber auch Probleme dieses Potentials
- Technofeminismus - entstand dann weil der Begriff Cyberfeminismus zu sehr an Hoffnungen der 90er hing und ‚post‘ aktuellen Diskursen zum Verhältnis von Gender und Technologie nicht gerecht werde
- Patriarchale und Kapitalistische Strukturen sind im Code selbst angelegt
- Technologien spiegeln Gesellschaft wieder -> werden von Nutzer*innen beeinflusst
- Homogene Zonen und Filterblasen durchbrechen

Chronologie

1980er-Jahre: Cyborg

Donna Haraway war mit ihrem 1985 erschienenen Essay „A Cyborg Manifesto: Science, Technology, and Socialist-Feminism in the Late Twentieth Century“, der später in „Simians, Cyborgs and Women: The Reinvention of Nature“ (1991) nachgedruckt wurde, die Inspiration und Wegbereiterin des Cyberfeminismus. Haraways Text stellt einen neuartigen Ansatz zur Untersuchung der Trennung zwischen Kultur und Natur dar. Sie zeigt das Potenzial einer völlig neuen Ontologie der Hybridisierung von Natur und Kultur anhand des Cyborgs auf, einer Kombination aus Maschine und Organismus. Haraways Verwendung des Cyborgs veranschaulicht ihre konzeptionellen Ansätze zu Sozialismus und Feminismus bei der Untersuchung von Dichotomien wie Natur/Kultur, Geist/Körper und Idealismus/Materialismus. Haraways Cyborgs sind eine Verschmelzung von Vorstellungskraft und materieller Realität. Der Cyborg ist ein Dualismus, im Gegensatz zu einer Dichotomie; in der Verwischung der Grenzen festgelegter Kategorien liegt ein Wert. Die Notwendigkeit einer Trennung zwischen Kultur und Natur ist nicht mehr relevant, und der Cyborg entsteht aus der Verschmelzung dieser Grenze.

1990er-Jahre: Afrofuturismus

Der vom US-amerikanischen Literaturkritiker Mark Dery in den 1990er Jahren geprägte Begriff des Afrofuturismus befasst sich mit Themen der Afrikanischen Diaspora vor dem Hintergrund einer technokulturellen und von Science-Fiction-Elementen geprägten Weltsicht. Der Journalist Jochen Dreier beschreibt den Afrofuturismus als „Widerstand gegen die Bilder von einer weißen Zukunft, einer weißen Geschichte und einer weißen Macht über den schwarzen Körper“. Der Fokus auf weiße, cisgeschlechtliche feministische Perspektiven und die fehlende Berücksichtigung von Aspekten der Intersektionalität führte zur Entwicklung von eigenen Subgenres nicht-weißer Feministinnen in anderen künstlerischen Bewegungen, etwa im Rahmen des Afrofuturismus.

2000er-Jahre: Technofeminismus

2004 erscheint das Buch TechnoFeminism von Judy Wajcman.

2010er-Jahre: Xenofeminismus

Der Xenofeminismus bezeichnet eine Bewegung, die Technologie in die Überwindung eines gesellschaftlichen Machtprinzips einbezieht, das auf Konzepten von Geschlecht, Klasse und Ethnie beruht. Der Begriff wurde 2014 vom feministischen Kollektiv Laboria Cuboniks eingeführt. Im Manifest Xenofeminismus: Eine Politik für die Entfremdung argumentiert das Kollektiv, dass Biologie und Natur veränderlich sind, zugunsten einer Zukunft, in der Kategorien von Geschlecht, Klasse, Ethnie, geografischer Position von Macht entbunden sind und Menschen sich neue Technologien zunutze machen, um Autonomie zu erlangen, etwa über ihren Körper oder ihre Arbeitsbedingungen. Die Bewegung hat drei Hauptmerkmale: Sie ist techno-materialistisch, antinaturalistisch und setzt sich für die Abschaffung der Geschlechter ein. Sie widerspricht insbesondere biologistischen Idealen, die von einer reinen Geschlechtsbinarität ausgehen. Der Xenofeminismus verfolgt ähnliche Konzepte wie der Cyberfeminismus, setzt einen wesentlichen Unterschied aber in der Einbeziehung von Queer- und Transgender-Gemeinschaften.

2020er-Jahre: Glitch Feminismus

2020 erscheint das Buch Glitch Feminism: A Manifesto von Legacy Russel. Während der digitale Glitch oft als Fehler oder fehlerhafte Überlagerung abgetan wird, beschreibt Legacy Russell den Glitch zwischen Geschlecht, Technologie und Körper als Möglichkeitsraum. Als Gelegenheit, sich in einer unendlichen Vielfalt von Identitäten zu inszenieren und zu verwandeln. Russell argumentiert, dass es keinen Sinn mehr macht, zwischen digital und analog zu unterscheiden.

Nicht-weißer Cyberfeminism

Asiatischer Cyberfeminism

Ideale des weißen Cyberfeminismus speisen sich zum Teil aus nicht-weißen Kulturen, etwa dem japanischen Cyberpunk-Genre, in dem bereits Themen wie die Verbindung zwischen Geschlecht und Technologie verhandelt werden, z. B. in Animes wie Ghost in the Shell. Die Abkehr von einem weißen Cyberfeminismus geschieht aus der Perspektive asiatischer Cyberfeministinnen vor dem Hintergrund der Kritik an einem modernen Techno-Orientalismus westlicher Kulturen, die von Widersprüchen geprägte Stereotype über Asien zugleich „als Ort der technologischen Hyperentwicklung und des kulturellen Rückschritts“ reproduzierten. Zugleich berücksichtigen westliche Cyberfeminismus-Konzepte selten Differenzen, die aus Klasse, Religion, Unterschieden des Lebens in der Stadt oder auf dem Land oder aus anderen Aspekten soziokultureller und ökonomischer Identitätsbildung entstehen, wie die indische Kulturwissenschaftlerin Radhika Gajjala etwa für den südasiatischen Raum herausarbeitete.

Schwarzer Cyberfeminism

Der Schwarze Cyberfeminismus speist sich aus den Prinzipien des Afrofuturismus und versteht sich zugleich als Fortsetzung des Schwarzen feministischen Denkens, das sich dezidiert mit Erfahrungen Schwarzer Frauen befasst, so die US-amerikanische Medienwissenschaftlerin Mel Monier. Der Schwarze Cyberfeminismus stellt ihrer Auffassung nach die Identitäten und selbstbestimmte Handlungsfähigkeit („Agency“) Schwarzer Frauen in digitalen Räumen in den Mittelpunkt. Die Forscherinnen Gabriela T. Richard und Kishonna L. Gray stellen in einer Untersuchung zur Online-Gaming-Community heraus, dass Schwarzer Cyberfeminismus daneben explizit Aspekte einer Schwarzen feministischen Technologiekritik und einer Kritik des Selbst einbezöge, in der das Physische und das Digitale als gleichwertig wahrgenommen würden. Die Erfahrungen Schwarzer Online-Gamerinnen etwa seien durch mangelnde Sichtbarkeit und Unterstützung zusätzlich beeinträchtigt, der Schwarze Cyberfeminismus habe zum Ziel, ihre Erfahrungen sichtbar zu machen.

Linksammlung