Chronologie
1980er-Jahre: Cyborg
Donna Haraway war mit ihrem 1985 erschienenen Essay „A Cyborg Manifesto: Science, Technology, and Socialist-Feminism in the Late Twentieth Century“, der später in „Simians, Cyborgs and Women: The Reinvention of Nature“ (1991) nachgedruckt wurde, die Inspiration und Wegbereiterin des Cyberfeminismus. Haraways Text stellt einen neuartigen Ansatz zur Untersuchung der Trennung zwischen Kultur und Natur dar. Sie zeigt das Potenzial einer völlig neuen Ontologie der Hybridisierung von Natur und Kultur anhand des Cyborgs auf, einer Kombination aus Maschine und Organismus. Haraways Verwendung des Cyborgs veranschaulicht ihre konzeptionellen Ansätze zu Sozialismus und Feminismus bei der Untersuchung von Dichotomien wie Natur/Kultur, Geist/Körper und Idealismus/Materialismus. Haraways Cyborgs sind eine Verschmelzung von Vorstellungskraft und materieller Realität. Der Cyborg ist ein Dualismus, im Gegensatz zu einer Dichotomie; in der Verwischung der Grenzen festgelegter Kategorien liegt ein Wert. Die Notwendigkeit einer Trennung zwischen Kultur und Natur ist nicht mehr relevant, und der Cyborg entsteht aus der Verschmelzung dieser Grenze.
1990er-Jahre: Afrofuturismus
Der vom US-amerikanischen Literaturkritiker Mark Dery in den 1990er Jahren geprägte Begriff des Afrofuturismus befasst sich mit Themen der Afrikanischen Diaspora vor dem Hintergrund einer technokulturellen und von Science-Fiction-Elementen geprägten Weltsicht. Der Journalist Jochen Dreier beschreibt den Afrofuturismus als „Widerstand gegen die Bilder von einer weißen Zukunft, einer weißen Geschichte und einer weißen Macht über den schwarzen Körper“.
Der Fokus auf weiße, cisgeschlechtliche feministische Perspektiven und die fehlende Berücksichtigung von Aspekten der Intersektionalität führte zur Entwicklung von eigenen Subgenres nicht-weißer Feministinnen in anderen künstlerischen Bewegungen, etwa im Rahmen des Afrofuturismus.
2000er-Jahre: Technofeminismus
2004 erscheint das Buch TechnoFeminism von Judy Wajcman.
2010er-Jahre: Xenofeminismus
Der Xenofeminismus bezeichnet eine Bewegung, die Technologie in die Überwindung eines gesellschaftlichen Machtprinzips einbezieht, das auf Konzepten von Geschlecht, Klasse und Ethnie beruht. Der Begriff wurde 2014 vom feministischen Kollektiv Laboria Cuboniks eingeführt. Im Manifest Xenofeminismus: Eine Politik für die Entfremdung argumentiert das Kollektiv, dass Biologie und Natur veränderlich sind, zugunsten einer Zukunft, in der Kategorien von Geschlecht, Klasse, Ethnie, geografischer Position von Macht entbunden sind und Menschen sich neue Technologien zunutze machen, um Autonomie zu erlangen, etwa über ihren Körper oder ihre Arbeitsbedingungen. Die Bewegung hat drei Hauptmerkmale: Sie ist techno-materialistisch, antinaturalistisch und setzt sich für die Abschaffung der Geschlechter ein. Sie widerspricht insbesondere biologistischen Idealen, die von einer reinen Geschlechtsbinarität ausgehen. Der Xenofeminismus verfolgt ähnliche Konzepte wie der Cyberfeminismus, setzt einen wesentlichen Unterschied aber in der Einbeziehung von Queer- und Transgender-Gemeinschaften.
2020er-Jahre: Glitch Feminismus
2020 erscheint das Buch Glitch Feminism: A Manifesto von Legacy Russel. Während der digitale Glitch oft als Fehler oder fehlerhafte Überlagerung abgetan wird, beschreibt Legacy Russell den Glitch zwischen Geschlecht, Technologie und Körper als Möglichkeitsraum. Als Gelegenheit, sich in einer unendlichen Vielfalt von Identitäten zu inszenieren und zu verwandeln. Russell argumentiert, dass es keinen Sinn mehr macht, zwischen digital und analog zu unterscheiden.